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Parkinson-Syndrom

Das Parkinson-Syndrom, in ungenauer Übersetzung auch "Schüttellähmung" genannt, ist eine zumeist langsam fortschreitende neurologische Erkrankung des Gehirns und zählt weltweit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.

In Deutschland sind etwa 0,1 % bis 0,3 % der Bevölkerung erkrankt. Der Krankheitsbeginn liegt meist um das 60. Lebensjahr. Doch auch deutlich jüngere Menschen können betroffen sein. Ca. 10 % der Betroffenen in Deutschland sind bei Diagnosestellung jünger als 40 Jahre alt.

In den letzten Jahren wurde mehr und mehr bekannt, dass das klassische Parkinsonsyndrom weit mehr als eine motorische Erkrankung ist, sondern schon Jahre bevor die Motorik eines Patienten betroffen ist zu nicht motorischen Krankeheitszeichen führt. Wie Minderung des Geruchsvermögens, einer bestimmten Schlafstörung (Non-Rem-Schlafverhaltensstörung genannt), aber auch gehäufte Phasen depressiver Verstimmungen und die Neigung zu Verstopfung.

Diese Krankheitszeichen treten meist sehr langsam und kaum bemerkt auf. Sie sind sehr unspezifisch, d. h. für die Diagnosestellung "Parkinson" noch nicht alleine ausreichend. Hier liegt einer der wichtigsten Forschungsschwerpunkte der Wissenschaft: Methoden zu entwickeln, die erlauben, die Diagnose deutlich früher sicher zu stellen und natürlich entsprechende Therapien zu entwickeln, die im Idealfall den "motorischen" Parkinson verhindern und den Krankheitsprozess stoppen können.

Doch derzeit ist immer noch das Krankheitsstadium der motorischen Krankheitszeichen das, in dem erstmals die Diagnose vom Patienten bemerkt und in der Folge dann medizinisch diagnostiziert wird.

Als Hauptsymptom der Krankheit wird bei medizinischen Laien meist das Zittern genannt. Doch die wissenschaftlich etablierten Diagnosekriterien für ein Parkinsonsyndrom basieren primär auf einer Unterbeweglichkeit, der so genannten Hypokinese. Sie bezeichnet das Unvermögen bei sich wiederholenden Bewegungen den vollen Bewegungsumfang, auch Bewegungsamplitude genannt, aufrecht zu halten. Z. B. beim Versuch, Daumen und Zeigefinger wie eine Schere schnell und weit auseinanderzuspreizen und wieder zu schließen, wird beim Vorliegen eines Parkinsonssyndroms die Bewegung immer langsamer und der Bewegungsumfang immer kleiner.

Nächstes Hauptkriterium zur Diagnosestellung ist ein erhöhter Muskelwiderstand, "Rigor" genannt. Beim passiven Durchbewegen z. B. eines Armes läßt sich ein Widerstand tasten. Da er an ineinander greifende Zahnräder erinnern kann, wird er "Zahnradphänomen" genannt. Entgegen weit verbreiterer Volksmeinung liegt bei Parkinsonbetroffenen nicht immer ein Zittern als Krankheitszeichen vor, sondern nur in ca. 2/3 der Betroffenen. Hierbei handelt es sich typischerweise um ein Ruhezittern, "Ruhetremor" genannt. Dieser tritt auf, wenn die betroffenen Extremität in Ruhe, also entspannt ist. Im Gegensatz zum Aktionstremor eines so genannten Essentiellen Tremorsyndroms, der dann auftritt, wenn betroffenen Patienten nach etwas greifen. Der klassische Ruhetremor bei Parkinsonpatienten wird beim Greifen (z. B. nach einem Glas oder eine Tasse, wenn der Arm betroffen ist) immer eher weniger oder verschwindet hierbei sogar.

Diagnosekriterien (British brain bank criteria):

  1. Hypokinese = Bewegungsminderung bei wiederholten Bewegungen
  2. erhöhter Muskelwiderstand = Rigor
  3. im späteren Krankheitsverlauf Sturzneigung durch gestörte Stellreflexe, nur evtl. (nicht zwingend) Ruhezittern.

Die motorischen Krankheitszeichen treten beim klassischen Parkinsonsyndrom einseitig auf. Die Ursache dieser Störungen liegt im Gehirn der Erkrankten. Für die Bewegungen des Körpers sind dort bestimmte Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, verantwortlich. Bei der Parkinson-Erkrankung wird durch das Absterben von Nervenzellen in bestimmten Regionen des Gehirns unter anderem die Bildung des hemmenden Botenstoffes Dopamin gestört, so dass ein Überschuss des erregenden Neurotransmitters Acetylcholin herrscht. Dies bringt das Gleichgewicht des Stoffwechselsystems im Hirn aus dem Gleichgewicht, was die parkinsontypische Symptomatik zur Folge hat.

Um die Behandlung der Krankheit frühzeitig beginnen zu können und damit den Krankheitsverlauf bestmöglich begleiten zu können, ist eine zunächst rechtzeitige, eindeutige Diagnose vonnöten.

Die Diagnose des Morbus Parkinson stützt sich zunächst auf das klinische Bild, die Untersuchung der Bewegungsabläufe und die Anamnese. Es müssen andere Erkrankungen, die eine ähnliche Symptomatik aufweisen, z. B. Schlaganfall, Hirntumore oder Nebenwirkungen durch die Einnahme bestimmter Medikamente, in Betracht gezogen und ausgeschlossen werden. In speziellen Fragestellungen können auch spezielle nuclearmedizinische Verfahren wie Opens internal link in current windowSPECT und Ultraschallverfahren, "Mittelhirnsonographie", aber auch ein Opens internal link in current windowRiechtest genutzt werden, um Parkinson zu diagnostizieren.

Nach der eindeutigen Diagnose der Parkinsonkrankheit kann die Therapie beginnen. Da bis heute eine Behandlung der Krankheitsursache bzw. eine Heilung von Parkinson nicht möglich ist, besteht die Parkinsontherapie im Wesentlichen aus einer Behandlung der Symptome und einer Verzögerung des Krankheitsverlaufes. Die medikamentöse Behandlung zielt in erster Linie darauf ab, das verschobene Verhältnis der Botenstoffe im Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Doch die Parkinson-Krankheit zeichnet sich durch ein komplexes Krankheitsbild aus: Die typischen Symptome (Verlangsamung der Bewegungsabläufe, erhöhte Muskelzähigkeit, Zittern) können auch mit einer vermehrt depressiven Stimmung, Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit einher gehen. Auf dem 2. Deutschen Parkinson-Kongress in Bochum (7.-10.3.2001) wurde daher die Bedeutung einer ganzheitlichen Parkinson-Therapie für die optimale Verbesserung der Lebensqualität hervorgehoben, denn selbst die nach dem gegenwärtigen Wissensstand bestmögliche fachärztlich kontrollierte medikamentöse Therapie ist ungenügend, wenn sie nicht mit weiteren, individuell abzustimmenden Therapieformen Hand in Hand geht. So ist die krankengymnastische, im Einzelfall auch ergotherapeutische, logopädische und/oder psychologische Therapie zumindest im mittleren bis späteren Krankheistverlauf meist unverzichtbar.

Doch bereits bei Diagnosestellung sollte körperliche und geistige Aktivität intensiv aufrecht erhalten und bewußt trainiert werden. Konzentrations-, Aufmerksamkeits-, Problemlösungs-, und Gedächtnis-Trainings speziell für Parkinson-Patientinnen und -Patienten führen zu einem Rückgang der Symptome und einer Steigerung der Lebensqualität, da die Übungen zu einer Funktionsverbesserung der körperlichen und geistigen Abläufe beitragen. Dies wiederum hat einen deutlichen Einfluss auf die Stimmungslage der Patientinnen und Patienten, die häufig durch ihre Einschränkungen an mangelndem Selbstwertgefühl leiden.

Eine wirkungsvolle Parkinsontherapie muss daher sowohl die medikamentöse Behandlung der Symptome beinhalten als auch die kompetente und umfassende Versorgung des Patienten oder der Patientin.

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